junge Welt 19.5.2015: Sparkasse besetzt

Kurdische Jugendliche protestieren in Saabrücken gegen Behinderung der Solidarität mit Rojava in Syrien. Verantwortliche des Finanzinstituts lassen räumen

In Saarbrücken haben heute rund zwei Dutzend Jugendliche die Zentrale der örtlichen Sparkasse besetzt. Mit einem Sitzstreik in den Räumen des Geldinstituts protestieren die Mitglieder des kurdischen Studentenverbandes YXK gegen die Kündigung eines Spendenkontos, über das Solidarität mit dem Widerstand der Bevölkerung in Kobani und Rojava – dem kurdischen Teil Syriens – gegen die Banden des »Islamischen Staates« (IS) geübt werden sollte.

In einer Erklärung schreiben die Jugendlichen: »Seit Monaten kämpfen die Kurden in dieser Region gegen die Angriffe des IS, aus den Shingal-Bergen retteten sie tausende Jesiden, und Ende letzten Jahres wurde die Stadt Kobani weltweit bekannt, als in wochenlangen Auseinandersetzungen die erbarmungslosen Angriffe des IS zurückgeschlagen werden konnten. Der Kampf ist noch lange nicht zu Ende, täglich lassen Frauen und Männer ihr Leben für das Recht auf Selbstbestimmung – im Kampf gegen den Terror des IS.«

Seit Oktober seien mehr als 100.000 Euro Spenden gesammelt worden. Diese sollen helfen, »das fortschrittliche Projekt Rojava zu unterstützen«, so die YXK-Aktivisten. Das Geld sei ein kleiner Beitrag, über dessen Verwendung die Menschen in Rojava selbst entscheiden sollen: »Sie wissen am besten, was wo benötigt wird.« Diese Kampagne werde durch die Sparkasse behindert, die das Spendenkonto gekündigt habe. »Diese Kündigung hat keinerlei juristische Grundlage und ist ausschließlich auf die politische Entscheidung des Verwaltungsrates der Sparkasse Saarbrücken zurückzuführen. Grundlage für diese Entscheidung bildet das absurde PKK-Verbot«, so die jungen Kurden, die dem Finanzinstitut vorwerfen, durch sein Verhalten »objektiv gesehen« den Terror des IS zu unterstützen.

Die Verantwortlichen der Sparkasse haben den von den Jugendlichen geforderten Dialog verweigert und die Polizei gerufen. Diese hat die Protestierenden »mit brutaler Gewalt« aus dem Gebäude gezerrt, wie YXK kurz nach 15 Uhr mitteilte. Wie ein Sprecher der Besetzer gegenüber junge Welt sagte, wurde trotz des Vorgehens der Beamten, das rund eine halbe Stunde gedauert habe, niemand verletzt, auch festgenommen wurde niemand. Die Polizei stellte lediglich die Personalien der Besetzer fest und erteilte Platzverweise. Vor dem Gebäude der Sparkasse demonstrierten die Jugendlichen mit einem Tanz der kurdischen Guerilla und beendeten dann ihre Aktion.